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CAI Dillenburg 2017

4 Tage CAI Dillenburg sind zu Ende! Wir haben tollen Sport gesehen, das Wetter hat super mitgemacht und auch am Samstag im Gelände lief alles rund und ohne Zwischenfälle.
Der Reit- und Fahrverein Dillenburg bedankt sich bei allen Teilnehmern, Offiziellen, Sponsoren und den vielen Helfern. Vielen Dank auch an das Landgestüt Dillenburg. Wolfgang Benschus und seine Truppe haben wieder einmal alles gegeben um den Paradeplatz im hessischen Landgestüt in diesen super Zustand zu versetzen.
Wir freuen uns auf das 32. Int. Einspännerturnier in 2018

Die Entstehung des internationalen Einspänner-Turniers in Dillenburg    

 Das Dillenburger Einspänner-Turnier ist die Keimzelle des modernen, vielseitigen Einspänner-Sports in Deutschland. Rolf Schettler hatte die Gelegenheit, im gräflich Rothkir´schen Archiv sowie in den Unterlagen des Landgestüts Dillenburg zu stöbern und erzählt die Geschichte.

(Rolf Schettle) Das kleine niederösterreichische Bauerndorf Thürntal wäre wohl weitgehend unbekannt geblieben, hätten sich nich 1986 einige unverbesserliche Fahrsporenthusiasten zusammengetan, um gegen den Widerstand der Internationalen Reiterlichen Vereinigung FEI das erste dreiteilige internationale Einspänner-Turnier zu veranstalten. Initiator und auch Organisator Toni Fürtinger konnte sich auf Mitstreiter wie Ewald Welde vom international bekannten Welsh-Cob-Gestüt Gschwendthof oder der Leiter des Lipizzaner-Gestüts Piber, Hofrat Dr. Heinrich Lehrner, stützen, um eine Weltpremiere des vielseitigen, dreiteiligen Einspänner-Sports möglich zu machen. 1970 war der Fahrsport in das FEI-Reglement aufgenommen worden, und zwar als dreiteilige Vielseitigkeitsprüfung nach dem Muster der olympischen Military: Dressur, Gelände- und Streckenfahrt sowie das Hindernisfahren durch einen Kegelparcours. Diese für den Vierspännersport konzipierte Prüfungsform setzte sich sehr schnell international durch.

Die ersten Vierspänner-Weltmeisterschaften wurden 1971 in Münster/Westfalen veranstaltet. 1979 fand das erste offizielle internationale Zweispänner-Turnier nach gleichem Reglement in Österreich statt. Nur mit den Einspännern tat sich die Szene schwer. In Zeiten, als ein Bockrichter auf dem Wagen als unverzichtbar galt und die Gelände- und Streckenfahrt weit über 10 Kilometer ging, traute man dem Einspänner nicht zu, diese Leistung zu erbringen. Es war also höchste Zeit, das Gegenteil zu beweisen. Das fand nicht nur Toni Fürtinger, sondern auch der internationale Richter und Vorsitzende der Fachgruppe Fahren im Deutschen-Reiter- und Fahrer-Verband Leopold Graf von Rothkirch und Trach. Er ermunterte die Österreicher nicht nur zur Durchführung des Turniers in Thürntal, sondern amtierte auch als Präsident der Richtergruppe. 24 Gespanne traten in dem fast
schon ungarisch anmutenden österreichischen Dorf an. Deutsche Fahrer waren lediglich unter den Zuschauern. Sie waren durchaus an einer Teilnahme interessiert, hatten aber
von der deutschen FN keine Starterlaubnis erhalten, da man in Warendorf nach offiziellen Angaben keine gesicherten Erkenntnisse über den Leistungsstand deutscher Einspänner-Fahrer hatte. Dieser Sachverhalt war in etlichen anderen Ländern auch nicht anders, dort hatte man sich aber im Zweifel für die startwilligen Fahrer entschieden. Karl Iseli junior,
Herausgeber des Fachmagazins ACHENBACH, kommentierte als Resümee von Thürntal: „Richter und Offizielle trugen viele Erfahrungswerte mit sich nach Hause. Deutschland mit seinem ‚unumwerfbaren‘ FN-Gremium und der unbeweglichen LPO mag sich reuig nach dieser europäischen Pionierleistung umdrehen. Hätten sich diese Herren dem Fahrsport zuliebe – wie andere Nationen – über den Amtsschimmel hinwegsetzen können, hätte eine kampfstarke Nation mehr, und zwar mit Siegeschancen, an diesem Turnier teilgenommen.“ Einer dieser Offiziellen, von denen Iseli sprach, war Graf Rothkirch. Bereits auf der Rückfahrt von Thürntal fasste Graf Rothkirch den Entschluss, bei der nächsten
Jahrestagung seiner DRFV-Fachgruppe Fahren den Einspänner zu thematisieren. So lud er am 28. und 29. März 1987 zur Frühjahrstagung in das hessische Landgestüt Dillenburg ein. Thema der Tagung: „Rund um den Einspänner-Sport“. Nach einer engagierten Diskussion über die Zukunftsperspektiven des Einspänners national und international sowie über mögliche Kriterien eines Fahrpferde-Championats gab es nach dem gemeinsamen Abendessen im Schlosshotel Herborn eine Filmvorführung über das internationale Einspänner-Turnier in Thürntal. Mit dem Dillenburger Landstallmeister Bert Petersen hatte Graf Rothkirch schnell einen Verbündeten gefunden, der sich seinerseits der Unterstützung seiner Mannschaft, insbesondere des Sattelmeisters und Fahrlehrers Rolf Müller, sicher sein konnte. Man verabredete die Durchführung eines nationalen Einspänner-Turniers nach dem
Vorbild Thürntal noch im selben Jahr in Dillenburg – ohne Rechtsgrundlage in der nationalen Leistungsprüfungsordnung. Schon eine Woche nach der Jahrestagung fand eine Vorbesprechung im Büro des Landstallmeisters statt. Als Termin wurde der 9. bis 11. Juli 1987 festgelegt. Ein ausgesprochen ehrgeiziger Zeitplan! Und ein ungewöhnlicher Termin. Von Donnerstag bis Samstag sollte das Turnier gehen, da am Sonntag eine wichtige züchterische Veranstaltung in Hessen anstand.Ausgeschrieben werden sollte eine dreiteilige kombinierte Prüfung in der damals noch möglichen Klasse L. Da eine Gelände- und Streckenfahrt für Einspänner in Kategorie B nicht zulässig war, sollte diese notfalls als Kategorie-C-Prüfung ausgeschrieben werden. Als besondere und zusätzliche Innovation schlug Graf Rothkirch die Durchführung einer „Materialprüfung für Fahrpferde“ mit Mindest-
leistungs- und Zugwilligkeitsprüfung vor. Diese neue und in der LPO ebenfalls nicht vorgesehene Prüfung stieß zunächst auf Widerstand bei der FN in Warendorf, fand dann aber in geänderter Form als Test unter der Bezeichnung „Eignungsprüfung für Fahrpferde“ statt. Einzelheiten hierzu sind im Kapitel „Die Geschichte der Bundeschampionate“ nachzulesen.
Die Einspänner-Diskussion Mitte der 80er-Jahre war von der Glaubensfrage Einachser oder Zweiachser bestimmt. Graf Rothkirch wollte in jedem Fall beide Wagentypen zulassen. Auch die Beifahrerfrage war noch ungeklärt: verpflichtend oder freiwillig? In regem Schriftwechsel einigte man sich schließlich in der Kernfrage der Geländeprüfung auf eine Dreiteiligkeit: Phase A, eine Trabstrecke von maximal 4 km mit Tempo 15 km/h, dann eine Schrittstrecke, maximal 1,2 km mit Tempo 6,5 km/h, und eine Geländestrecke von ca.
3 km mit vier Hindernissen ohne Wasserdurchfahrt, ebenfalls Tempo 15 km/h. Nach der Schrittstrecke eine Verfassungsprüfung und vor dem Start in die Geländestrecke eine nochmalige Sicherheits-Gespannkontrolle durch die amtierenden Richter. Als Veranstaltergemeinschaft traten der Reit- und Fahrverein Dillenburg, das Hessische Landgestüt, die Stadt Dillenburg und der Deutsche Reiter- und Fahrer-Verband auf. Die hessische Ministerin für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz, Irmgard Reichardt, übernahm nicht nur die
Schirmherrschaft, sondern auch die Stiftung eines Ehrenpreises, den sie am Finaltag persönlich überreichte.